Presse und Berichte

4. Jan. 2020 Bericht Generalanzeiger

Kinder lernen in Kindertagesstätte zwei Sprachen


31.12. 2019

Feedback aus erster Hand


1.Nov. 2019 Interner Bericht:

Ein bunter Einstieg in die arabische Kalligrafie!

Handys wurden nicht beachtet, quasseln war die Ausnahme und jeder Programmpunkt wurde mit Begeisterung umgesetzt. In den Herbstferien 2019 trafen sich 8 Mädchen eine Woche lang, um die Vielfalt der arabischen Kalligrafie kennenzulernen.

So einen vollen Einsatz hatten wir in der Ferienzeit nicht erwartet. Unser Team hatte alle Hände voll zu tun. Kursleiterin Naima leitete die Teilnehmerinnen beim kunstvollen Schreiben an. Die Assistentinnen Zahra und Nour kümmerten sich um das drumherum. Nicht nur Schreiben üben war angesagt, auch Materialien kennen lernen, kleine Ratespielchen und etwas Theorie hier und da. Beim Memory mit altdeutscher Kanzleischrift wurden die Buchstaben ebenso  schnell erkannt wie auch die berühmten arabischen Bildkalligrafien. Mit Hilfe von verschiedenen Methoden wie Abpausen und Nachmalen, um die Beobachtung auf die Details zu legen, tasteten die Teilnehmerinnen sich langsam an das kunstvolle Schreiben heran. Die dafür verwendeten Werkzeuge reichten vom Wachsmalstift über die doppelte Spitze, Filzstifte, Marker bis hin zur Tinte.

Als krönenden Abschluss entwarfen die Teilnehmerinnen ein Design für einen Namen und übertrugen diesen kunstvoll auf hochwertige Karten. Ein tolles Geschenk!

Ein gemeinsam gestaltetes Stoffbanner wurde eifrig bemalt und wartet auf seinen Auftritt  bei nächster Gelegenheit.

In dieser Woche konnten wir nur einen kleinen Einblick geben, aber wir hoffen, wir haben die Tür ein wenig öffnen können zu der Schönheit und der Kreativität, welche in der arabischen Kalligrafie liegt. Jetzt heißt es dranbleiben und Buchstabe für Buchstabe üben, üben, üben.


Sommer 2019 Berichte Generalanzeiger Bonn

Bilinguale Sommerferienprogramme 2019: Kreatives Schreiben und Theaterstück

In den diesjährigen Sommerferien haben wir zwei deutsch-arabische Angebote für Kinder durchgeführt, die bei den Kindern und Eltern sehr gut ankamen. Der Bonner Generalanzeiger berichtete.

Kreatives schreiben deutsch arabisch
Kreatives Schreiben auf Deutsch und Arabisch
Einüben und Aufführen eines Theaterstücks auf Deutsch und Arabisch

7.Juli 2019 Interner Bericht

Eine bilinguale Schule wäre der Traum!

Stimmen und Eindrücke vom Familienspielefest am 7. Juli in den Bonner Rheinauen

„Eine bilinguale Schule wäre der Traum!“, so eine Mutter, die den Stand des Fördervereins deutsch-arabische Lernwelten Bonn auf den Rheinauen besucht und nach ihren Erfahrungen und Wünschen bezüglich mehrsprachiger Erziehung gefragt wird. Es fällt erstaunlich leicht mit den Eltern zu dem Thema ins Gespräch zu kommen und es sprudelt an Beiträgen, die in Stichworten auf Moderationskarten am Pavillon festgehalten werden: „Ich spreche Arabisch mit meinen Kindern, auch wenn sie mir auf Deutsch antworten“, „der Herkunftssprachliche Unterricht ist für uns zu weit“, „ich lerne mit den Kindern selber Arabisch, aber das geht nur, weil ich nicht arbeite“, „Uns hat in der zweisprachigen Erziehung die deutsch-spanische Grundschule geholfen“, „Wir wurden bei Einschulung nicht über den Herkunftssprachlichen Unterricht informiert“, „Wir suchen Lieder und Kinderreime“, „Meine Eltern haben alles richtig gemacht: Als ich im Grundschulalter war, sind sie mit mir ein paar Jahre nach Ägypten gezogen, damit ich eine gute sprachliche Grundlage bekomme und dann sind wir wieder zurück nach Deutschland“. Besonders der letzte Beitrag zeigt, welche Mühen Familien mitunter bereit sind auf sich zu nehmen, damit die Zweisprachigkeit gelingt und wie unmöglich es scheint, dies hier in Bonn zu verwirklichen. Das Kalligrafie-Angebot im zweiten Pavillon des Fördervereins sprach Groß und Klein an und erfreute sich großen Interesses: Hier konnten Kinder und Erwachsene ihren Namen in arabischer Sprache kalligraphieren lassen oder auch selbst ihren Namen schreiben – eine Kurzinfo über die arabische Schrift inklusive. Wie die Gäste damit umgingen war sehr unterschiedlich: Einige wollten nur schnell etwas zum Mitnehmen, andere verweilten, um mit viel Muße entspannt ihre Namen auszumalen und sich zu informieren. Wieder andere kamen ein zweites Mal mit Kindern oder Freundinnen wieder zurück zum Stand. Die meisten Besucherinnen hatten einen lebensweltlichen Bezug zur arabischen Sprache – zumindest über den Bekanntenkreis. Oftmals gibt es mehrere Möglichkeiten Namen aus einem anderen Lautsystem umzusetzen. Besonders glücklich verließ Nadxhin den Stand. Ihr Name, der im Deutschen oft zahlreiche Erklärungen erfordert, war im Arabischen ganz einfach umzusetzen. Die Beteiligung am Familienspielefest war für unseren jungen Verein eine Herausforderung: Von 9 bis 18 Uhr galt es mit mindestens vier Personen vor Ort zu sein. Wir danken alle herzlich, die uns vor Ort unterstützt habe.

Hier ein paar tolle Momentaufnahmen des Familienspielefests.
Einfach herunterladen (Punkte rechts) und anschauen:

Familienspielefest Bonn – Dear Bonn


„Mehr bilinguale Schule für Bonn?“  am 14. November 2018 im Post Tower

von Matilda Jordanova-Duda

Die Hälfte der i- Dötzchen in NRW spricht in diesem Jahr mehr als nur Deutsch. Aber das Bildungssystem tut sich mit der Mehrsprachigkeit immer noch schwer: erst recht, wenn es sich um weniger wertgeschätzte Sprachen als Englisch, Französisch und Spanisch handelt. In Bonn ist Arabisch die zweitstärkste Sprache: bundesweit eine Besonderheit, wie Coletta Manemann von der Stabstelle Integration sagt.

Zu einem Gedankenaustausch über Mehrsprachigkeit und bilinguales Lernen haben die Fachstelle für interkulturelle Bildung und Beratung – FiBB, der Verband binationaler Familien und Partnerschaften sowie der Förderverein Deutsch-arabische Lernwelten am 14. November im Bonner Posttower eingeladen.

Was ist eine bilinguale Schule? Hier wird Sachfachunterricht, z.B. Mathe, Kunst oder Biologie in einer anderen Sprache erteilt. Die neue Sprache ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug zur Wissensvermittlung. Dr. Anja Steinlen von der Uni Erlangen- Nürnberg forscht über solche Schulen und betont die positiven Effekte: Kinder haben sehr gute Erfolge sowohl in Deutsch als auch in der weiteren Sprache und den Sachfächern, betont die Sprachwissenschaftlerin. Noch spannender: Deutsche und nicht deutsche Kinder haben gleich gute Ergebnisse. Der bilinguale Unterricht ist entgegen seinem Ruf keine elitäre Sache: Wegen der Anschaulichkeit kommen auch Kinder mit Lernschwierigkeiten besser damit zurecht.

In Deutschland gibt es laut Steinlen rund 300 Schulen, die mit unterschiedlicher Intensität in einer weiteren Sprache unterrichten. Bei gut 45 Prozent ist das Englisch, es folgen Französisch und Spanisch. Türkisch und Niederländisch sind in je 1 Prozent der Bildungseinrichtungen vertreten, andere Sprachen im Promille-Bereich. Kinder sind in der Lage, jede beliebige Sprache zu lernen, betont die Wissenschaftlerin – je früher, desto besser. Sie wünscht sich Verbundprojekte aus bilingualen Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen für eine durchgängige Lernbiografie.

Babette Ehrngruber, Schulleiterin einer deutsch-türkischen Grundschule in Köln, hat bereits 10 Jahre Erfahrung mit dem bilingualen Unterricht. Die Initiative kam damals von der Bezirksregierung, erzählt sie, doch die Eltern hätten ihr so sehr ” auf den Füßen gestanden”, dass der Start um ein Jahr vorgezogen wurde. ” Die Eltern haben uns Schulschilder aus der Türkei mitgebracht”. Der Förderverein hat damals viel Geld für Arbeitsmaterialien ausgegeben – und tue es immer noch.

Deutschsprachige und deutsch-türkischsprachige Lehrkräfte unterrichten in der Kölner Schule im Team, unterstützt von Lehrkräften für den Herkunftssprachlichen Unterricht, weil nicht jeder türkeistämmige Kollege willens oder in der Lage ist, sein Fach auf Türkisch zu vermitteln. Insgesamt sei der Arbeitsaufwand höher, aber das Kollegium besser vernetzt. ” Ich merke eine ganz große Veränderung bei den Kollegen”, so Ehrngruber. Früher hieß es: Naja, der kann nur Türkisch. Heute: Toll, das Kind kann zwei Sprachen! Und die Spannungen auf dem Schulhof gebe es kaum noch.

Warum also nicht mehr solcher Schulen – gerade in der Bundes- und UN- Stadt Bonn? UN- Mitarbeiterin Amine Said wünscht sich Bildungseinrichtungen, die ihre 5 Kinder befähigen, in Deutschland, aber auch in Iran oder Lesotho zu leben und arbeiten. “Jetzt sind wir auf die eineinhalb englischsprachigen Schulen angewiesen.”

Jede Schule kann bilinguale Angebote machen, betont Christiane Schüßler vom Landesbildungsministerium: ” Dafür bedarf es keinerlei Genehmigung!” Wo hakt es dann? Die Lehrkräfte müssen ihre Fächer beherrschen, gleichzeitig Muttersprachler_innen sein oder zumindest eine sehr hohe Sprachkompetenz haben.  “Da wird die Personaldecke schon dünn”, so Schüßler. Pädagogen mit deutschem Abschluss, aber mit internationaler Geschichte, wären solche Menschen, wollten jedoch meist keinen Exotenstatus. Probleme bereitet die Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Schüßler hofft, dass u.a. das Förderprogramm “Lehrkräfte plus” Abhilfe schafft. Geflüchtete und andere eingewanderte Lehrer_innen können sich fortbilden und an Schulen hospitieren. Mustafa Aarrass vom Förderverein deutsch-arabische Lernwelten erinnert daran, dass viele Ingenieure Physik oder Mathe unterrichten könnten, sogar in ihrer Herkunftssprache. Quereinsteiger bräuchten nur entsprechende Perspektiven.

Es muss auch nicht gleich der große Wurf sein. Erst einmal mit einer Lehrkraft und einem Fach einsteigen und das Angebot Schritt für Schritt ausbauen. “Einen Präzedenzfall schaffen”, wie es Tim Achtermeyer vom Bonner Schulausschuss ausdrückt, ” um zu zeigen, es funktioniert und es ist nichts Böses”. Oft sind es die Eltern, die letzten Endes die Initiative ergreifen. Aber ohne mutige Schulleitungen und Politiker_innen geht es auch nicht, so das Fazit der Fachveranstaltung. Coletta Manemann: “Es braucht Menschen, die anfangen wollen”.

Fotos: Fatih Akseyman